Seit mehr als 130 Jahren prägt die Plauener Straßenbahn das Stadtbild, verbindet Stadtteile miteinander und ist für viele Bürger:innen eine unverzichtbare Form der Mobilität. Eine Stilllegung wäre ein schwerer Verlust, nicht nur für die Stadt Plauen, sondern auch für einen nachhaltigen öffentlichen Nahverkehr im Vogtland. Der Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Vogtland unterstützt deshalb ausdrücklich den Erhalt der Straßenbahn. Gerade deshalb wird von den Bündnisgrünen der Region – wie von vielen Bürger:innen auch – die aktuelle Entwicklung mit Sorge und wachsendem Unverständnis betrachtet.
Die Plauener Bürger:innen stehen zu ihrer Straßenbahn: tausende Menschen haben ihren Erhalt seit dem letzten Jahr mit ihrer Unterschrift unterstützt. Während sie aber für den Fortbestand ihrer Straßenbahn kämpfen und Politik sowie Verwaltung gemeinsam nach Lösungen suchen, verkehrt die Straßenbahn seit Monaten nur mit Einschränkungen. Grund ist laut Unternehmensangaben ein anhaltend hoher Krankenstand, der bereits mehrfach zur Verlängerung des Ferienfahrplans geführt hat. Linien mussten reduziert werden, Fahrgäste müssen weiterhin längere Wartezeiten und Einschränkungen hinnehmen. Gleichzeitig wurden die Preise für Fahrscheine zum 01. August 2026 erneut erhöht.
Es stellt sich für viele die berechtigte Frage: Was tut das Unternehmen selbst, um dieser schwierigen Lage Herr zu werden?
Wer öffentlich um Solidarität der Bevölkerung wirbt, muss sich auch Nachfragen dazu gefallen lassen, welchen Beitrag der Betrieb und die Belegschaft leisten. Danny Przisambor, ÖPNV-Experte des Kreisverbands und regelmäßiger Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, rückt einen Kritikpunkt in den Fokus: „Besonders bedenklich ist, dass die bisher bekannten Rettungspläne hauptsächlich auf zusätzlichen Geldern von Stadt, Landkreis, Freistaat und auch Fahrgästen beruhen. Bürger:innen sollen über Steuergelder, die Kommunen über Zuschüsse und die Fahrgäste über höhere Ticketpreise ihren Beitrag leisten. Die Frage, welchen konkreten Sanierungsbeitrag das Unternehmen selbst erbringt, bleibt bisher offen.“
Natürlich hat die Gesundheit der Angestellten Vorrang. Und natürlich können Mitarbeitende nicht pauschal für die wirtschaftlichen Probleme eines Unternehmens verantwortlich gemacht werden. Fraglich ist aus Sicht der Bündnisgrünen aber, warum vonseiten der Betriebsleitung in den vergangenen Monaten keine besseren Lösungen gefunden werden konnten. Umso dringlicher sind klare Antworten darauf, wie Personalengpässe zukünftig überwunden und der Fortbestand der Straßenbahn durch Einsparungen, Strukturreformen und Effizienzmaßnahmen in eigener Initiative nachhaltig gesichert werden sollen.
Die aktuelle Situation hinterlässt bei vielen Fahrgästen ganz berechtigt einen bitteren Beigeschmack, sagt Danny Przisambor und betont: „Der Erhalt der Straßenbahn darf kein Selbstzweck sein, sondern muss mit einem glaubwürdigen und nachvollziehbaren Modernisierungskonzept verbunden werden. Die Menschen dieser Stadt sind bereit, ihre Straßenbahn zu unterstützen. Sie erwarten jedoch zu Recht, dass auch innerhalb des Unternehmens alles unternommen wird, um Vertrauen zurückzugewinnen und die Zukunft der ‚Bimm‘ dauerhaft zu sichern.“